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Lernen und PräsentierenEffektives Lernen (2 Std.)

Effektives Lernen (2 Stunden)

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Je nach Umfang der Diskussionen und der Live-Demos im Einstieg kann es nötig sein, einen Teil zu den Prüfungsformen hier fortzusetzen (bis zu 30 Minuten).

Im Einstieg haben wir besprochen, wie man sich auf die verschiedenen Prüfungsformen an der DHBW vorbereitet. Hier erfahren Sie, warum manche Lernmethoden besser wirken als andere, und lernen, konzentriert zu arbeiten.

  • Lernstrategien nach Barbara Oakley
  • Konzentriert arbeiten nach Cal Newport

Diese Lektion stützt sich vor allem auf zwei bekannte und einflussreiche Personen: die Ingenieurin Barbara Oakley für Lernstrategien und den Informatiker Cal Newport für konzentriertes Arbeiten. Beide fassen Forschungsergebnisse für den Alltag zusammen. Ihre Bücher und Kurse erreichen Millionen Menschen.

Die Reveal-Folien zu Oakley und Newport stehen als eigenständige Browser-Präsentation bereit:

Lernstrategien nach Barbara Oakley (ca. 45 Minuten)

Barbara Oakley  ist Professorin am „Industrial and Systems Engineering Department“ (in etwa Wirtschaftsingenieurwesen) der Oakland University in Michigan, USA. Nach eigener Aussage war sie in der Schule nicht gut in Mathematik und hat erst als Erwachsene gelernt, sich schwierige Fächer zu erschließen. Bekannt wurde sie u. a. durch den Online-Kurs „Learning How to Learn“ .

Grundlagen und was daraus folgt

  • Fokussierter und diffuser Modus. Viele Aha-Momente kommen beim Abschalten, weil das Gehirn im Hintergrund weiterarbeitet, sofern man sich vorher konzentriert mit dem Problem beschäftigt hat. Wenn Sie 15–20 Minuten an einer Aufgabe feststecken, notieren Sie kurz, wo Sie stehen, und machen Sie etwas anderes, etwa einen Spaziergang. Versuchen Sie es später oder am nächsten Tag erneut. Fangen Sie Hausarbeiten und Übungsblätter deshalb nicht erst am Vortag an.
  • Wissen und Können. Fakten lernt man schnell, vergisst sie ohne Wiederholung aber auch schnell. Können wie Programmieren, Buchungssätze oder Rechenwege entsteht dagegen nur durch viel Übung über Wochen. Danach ruft man es fast mühelos ab. Planen Sie deshalb in Fächern mit Anwendungsaufgaben früh regelmäßige Übungszeit ein. Das lässt sich kurz vor der Klausur nicht nachholen.
  • Chunking. Zerlegen Sie ein Thema in kleine Bausteine („Chunks“) und üben Sie jeden, bis er ohne Nachdenken klappt, z. B. erst Schleifen, dann Schleifen in Methoden. Halten Sie Zwischenergebnisse schriftlich fest statt im Kopf, denn das Arbeitsgedächtnis fasst nur etwa vier Elemente gleichzeitig.
  • Fehler beim Üben erkennen. Auch Fehler festigen sich durch Wiederholung. Vergleichen Sie deshalb die ersten ein bis zwei Lösungen eines neuen Aufgabentyps sofort mit der Musterlösung, oder lassen Sie sie von Mitstudierenden oder einem KI-Chat prüfen, bevor Sie zehn weitere Aufgaben genauso lösen.

Oakley vereinfacht Erkenntnisse aus Psychologie und Neurowissenschaft für den Alltag. Begriffe wie „diffuser Modus“ oder die Zahl von vier Elementen im Arbeitsgedächtnis sind Modelle, keine exakten Messwerte.

Lernmethoden

Diskussionsrunde:

  • Wer hat Pomodoro, Anki oder den Gedächtnispalast schon ausprobiert?

Aktives Abrufen und verteiltes Wiederholen kennen Sie aus dem Einstieg. Oakley warnt wie schon der Einstieg vor der Illusion von Kompetenz: Wer einen Text beim Wiederlesen wiedererkennt, hält das leicht für Können. Testen Sie sich deshalb, statt noch einmal zu lesen.

Verteiltes Wiederholen mit Lernkarten in der Praxis. Ein Beispiel für eine gute Lernkarte:

  • Vorderseite: „Wann nutze ich eine for-Schleife und wann eine while-Schleife?“
  • Rückseite: „for, wenn die Anzahl der Durchläufe vorher feststeht. while, wenn eine Bedingung entscheidet, z. B. Eingaben lesen, bis jemand ‚ende‘ eingibt.“

Beantworten Sie die Frage zuerst aus dem Kopf und vergleichen Sie erst dann mit der Rückseite. Richtig beantwortete Karten wiederholen Sie in wachsenden Abständen wie bei der Vergessenskurve (siehe Folien zum Einstieg), falsch beantwortete am nächsten Tag. Das Programm Anki  berechnet diese Abstände automatisch. Es ist für Windows, macOS, Linux und Android sowie im Browser kostenlos. Die iOS-App ist kostenpflichtig. Täglich 10–15 Minuten reichen, z. B. in der Bahn.

Oakley empfiehlt außerdem:

  • Interleaving. Üben Sie einen neuen Aufgabentyp zuerst am Stück, bis Sie ihn grundsätzlich beherrschen. Danach mischen Sie Aufgabentypen, statt zehnmal denselben Typ hintereinander zu üben, z. B. Altklausuraufgaben aus verschiedenen Kapiteln. So lernen Sie, wann welche Methode passt. Genau das verlangt eine Klausur, denn dort sind die Aufgaben nicht nach Kapiteln sortiert.
  • Nicht überlernen. Eine Aufgabe, die Sie bereits beherrschen, in derselben Sitzung immer wieder zu lösen, bringt wenig. Üben Sie in dieser Zeit Aufgaben, die Ihnen noch schwerfallen.
  • Erst Anleitung, dann Übung. Gehen Sie eine Musterlösung Schritt für Schritt durch und fragen Sie sich bei jedem Schritt, warum er nötig ist. Decken Sie sie dann ab und lösen Sie eine ähnliche Aufgabe selbst.
  • Metaphern. Sie helfen beim einfachen Erklären (Feynman-Technik), z. B. „Die Bilanz ist ein Foto, die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) ein Film“.

Lesen, Mitschreiben, Merken

  • Überfliegen Sie vor dem Lesen Überschriften, Grafiken und Zusammenfassungen.
  • Schauen Sie nach jedem Abschnitt weg und rufen Sie die Hauptpunkte aus dem Kopf ab.
  • Schreiben Sie Notizen in eigenen Worten und als Fragen, statt alles wörtlich mitzuschreiben.
  • Bauen Sie sich für schwer merkbare Definitionen und Fachbegriffe eigene Eselsbrücken oder Bilder.
  • Gedächtnispalast. Diese Technik ist auch als Loci-Methode bekannt und stammt aus der Antike. Sie stellen sich einen vertrauten Weg vor, etwa durch Ihre Wohnung, und legen an festen Stationen auffällige Bilder für die Begriffe ab, die Sie sich merken wollen. Beim Abrufen gehen Sie den Weg in Gedanken ab. Das eignet sich für Listen in fester Reihenfolge, zum Beispiel die fünf Phasen des Produktlebenszyklus. Zusammenhänge verstehen ersetzt es nicht.

Selbstorganisation und Motivation

  • Prokrastination. Schon der Gedanke an eine unangenehme Aufgabe löst ein kurzes Unbehagen aus. Man weicht dann aus, obwohl das Unbehagen meist wenige Minuten nach dem Anfangen nachlässt. Nehmen Sie sich deshalb nur vor, fünf Minuten anzufangen. Gegen das Ausweichen hilft außerdem eine veränderte Umgebung mehr als Willenskraft, etwa feste Lernzeiten.
  • Pomodoro. Die Technik stammt von Francesco Cirillo. Arbeiten Sie 25 Minuten konzentriert und machen Sie dann 5 Minuten Pause. Die begrenzte Zeit erleichtert das Anfangen. Verbinden Sie sie mit einer konkreten Aufgabe: „Ich arbeite 25 Minuten an drei Statistikaufgaben. Danach prüfe ich, was ich allein lösen konnte.“
  • Hochstapler-Syndrom (imposter syndrome). Viele haben das Gefühl, alle anderen seien schlauer. Das ist normal und meistens falsch. Vergleichen Sie sich mit Ihrem eigenen Stand von vor einigen Wochen. Langsamer zu lernen ist kein Nachteil: Oakley vergleicht schnell und langsam Lernende mit Rennwagen und Wanderern, und Wanderer bemerken oft Details, die anderen entgehen.

In der Klausur

  • Hard start, jump to easy. Beginnen Sie mit einer schweren Aufgabe. Wenn Sie nach ein bis zwei Minuten nicht weiterkommen, wechseln Sie zu einer leichten. Wenn Sie später zur schweren Aufgabe zurückkehren, finden Sie manchmal einen neuen Zugang. Für gut Vorbereitete ist das eine Alternative zu den quick wins aus dem Einstieg. Wer sehr nervös ist, beginnt besser mit sicheren Aufgaben.
  • Einstellungseffekt. Wer feststeckt, hält oft am ersten Lösungsansatz fest. Lesen Sie die Aufgabenstellung dann erneut Wort für Wort und notieren Sie, was gegeben und was gesucht ist. Oft haben Sie eine Angabe übersehen oder falsch verstanden.
  • Prüfungsangst. Unter Druck kann das Arbeitsgedächtnis blockieren (im Englischen „Choking“). Üben Sie deshalb vorher mit Altklausuren unter Zeitdruck, dann ist die Situation vertraut. Atmen Sie bei Aufregung einige Male vier Sekunden ein und sechs Sekunden aus, und deuten Sie die Aufregung um, etwa mit „Ich bin aufgeregt, weil ich es gut machen will“.
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Abrufübung: Die Studierenden schreiben zwei Minuten lang aus dem Kopf auf, welche drei Punkte sie aus diesem Abschnitt mitnehmen.

Zum Weiterlernen

Kostenloser Onlinekurs: Learning How to Learn: Powerful mental tools to help you master tough subjects  bei Coursera

  • von Barbara Oakley und Terrence Sejnowski
  • über fünf Millionen Teilnehmende
  • Teilnahme kostenlos, nur das Zertifikat kostet Geld
  • auf Englisch, mit Untertiteln und Übersetzungen

Buchempfehlung: Barbara Oakley und Olav Schewe, Learn Like a Pro. Science-Based Tools to Become Better at Anything, St. Martin’s Essentials, 2021, 160 Seiten. Fasst die Inhalte aus dem Kurs und den früheren Büchern für Lernende zusammen.

Für Lehrende überträgt Uncommon Sense Teaching von Oakley, Rogowsky und Sejnowski dieselben Erkenntnisse auf die Lehre.

Konzentriert arbeiten nach Cal Newport (höchstens 30 Minuten)

Wie organisieren Sie das Lernen neben einem vollen Vorlesungstag? Newports Ratschläge ergänzen feste Lernzeiten und Pomodoro aus dem Oakley-Teil. Cal Newport  empfiehlt in seinen Büchern Deep Work, Digital Minimalism und Slow Productivity, Zeit für anspruchsvolle Arbeit einzuplanen, digitale Unterbrechungen zu begrenzen und weniger Vorhaben gleichzeitig zu bearbeiten. Lernen ist Deep Work im Sinne Newports: konzentrierte, geistig anspruchsvolle Arbeit, die eigene Zeitblöcke ohne Unterbrechungen braucht.

Newport schrieb schon als Doktorand mit How to Become a Straight-A Student (2006) einen Ratgeber fürs Studium. Seine Grundformel: Ergebnis = Zeit × Konzentration. Eine Stunde mit Nachrichten nebenbei bringt weniger als 30 Minuten ohne Ablenkung. Newport nennt solches abgelenktes Lernen Pseudo-Arbeit (pseudo-working).

Konzentriert arbeiten

  • Rituale. Lernen Sie nach Möglichkeit am selben Ort, zur selben Zeit und mit festen Regeln, z. B. „Dienstag und Donnerstag nach der Vorlesung zwei Stunden in der Bibliothek, Handy im Spind“. Dann müssen Sie nicht jedes Mal neu entscheiden, ob und wo Sie anfangen.
  • Den Tag in Zeitblöcke einteilen. Planen Sie morgens oder am Vorabend, was Sie in welchem Block erledigen. Wenn etwas dazwischenkommt, planen Sie den Rest des Tages neu, statt den Plan aufzugeben.
  • Realistisch planen. Konzentrierte Arbeit ist anstrengend. Wer sie nicht gewohnt ist, schafft anfangs etwa eine Stunde am Stück. Geübte kommen auf bis zu vier Stunden am Tag. Planen Sie lieber zwei konzentrierte Blöcke als einen ganzen Lerntag, an dem Sie dann doch abschweifen.
  • Fortschritt sichtbar machen. Machen Sie für jeden konzentrierten Lernblock einen Strich im Kalender. Eine Strichliste zeigt Ihnen ehrlicher als Ihr Gefühl, wie viel Sie in einer Woche tatsächlich gelernt haben.
  • Feierabend-Ritual. Notieren Sie am Ende des Lerntags offene Aufgaben und den ersten Schritt für morgen. Danach ist Schluss. So geht Ihnen der Stoff abends nicht ständig im Kopf herum.

Ablenkungen begrenzen

  • Aufmerksamkeitsrest. Nach einem kurzen Blick aufs Handy bleibt ein Teil der Aufmerksamkeit bei der Nachricht hängen, auch wenn Sie sofort weiterlernen. Beantworten Sie Nachrichten deshalb gesammelt zu festen Zeiten, z. B. nach jedem Lernblock.
  • Langeweile aushalten. Wer bei jeder Wartezeit, etwa in der Mensa-Schlange, zum Handy greift, gewöhnt das Gehirn an ständige Abwechslung. Dann fällt es auch beim Lernen schwer, bei einer Aufgabe zu bleiben. Lassen Sie das Handy in solchen Momenten bewusst stecken.
  • Apps aussortieren. Löschen Sie Social-Media-Apps vom Handy und nutzen Sie die Dienste nur am Laptop. Newport schlägt in Digital Minimalism einen 30-Tage-Test vor: Alle verzichtbaren Apps und Dienste einen Monat lang weglassen und danach nur die bewusst zurückholen, die Ihnen wirklich etwas bringen.

Weniger gleichzeitig

  • Weniger Vorhaben. Nebenjob, Verein, Projekte und Module konkurrieren um dieselbe Zeit. Nehmen Sie in der Prüfungsphase keine neuen Verpflichtungen an und schließen Sie Begonnenes ab, bevor Sie Neues anfangen (Slow Productivity).
  • Großzügig schätzen. Aufgaben dauern fast immer länger als gedacht. Planen Sie für Hausarbeiten und Projekte deutlich mehr Zeit ein, als Sie schätzen, z. B. doppelt so viel.

Zum Weiterlernen

Buchempfehlungen:

  • Cal Newport, So Good They Can’t Ignore You: beruflich wertvolle Fähigkeiten durch gezieltes Üben entwickeln.
  • Barbara Oakley, Mindshift: sich neue Fachgebiete erschließen und sich beruflich weiterentwickeln.

Abschluss der Lektion (bei Bedarf)

Schließen Sie die Unterlagen und beantworten Sie kurz aus dem Kopf:

  1. Wie schützen Sie einen Lernblock vor Ablenkungen?
  2. Was tun Sie, wenn Sie bei einer Aufgabe feststecken?
  3. Wie überprüfen Sie, ob Sie etwas selbstständig können?

Vergleichen Sie danach zu zweit und ergänzen oder korrigieren Sie Ihre Antworten anhand der Unterlagen.