Programmieren im KI-Zeitalter
Dauer: max. 60 Minuten
- Warum programmieren (weiter)lernen?
- Lernziele
Ziel: Motivation zu dieser Vorlesung
Einerseits gibt es in der fortschreitenden Digitalisierung einen Mangel an Fachkräften und andererseits verändert sich durch immer besser werdende KI-Tools die Art, wie programmiert wird.
Programmieren: Nach wie vor gefragt
Der IT-Branchenverband bitkom berichtet immer wieder über die Fachkräftelücke, z. B. August 2025 in einer Pressemitteilung . Zitate daraus:
In der deutschen Wirtschaft fehlen aktuell rund 109.000 IT-Fachkräfte.
KI wird IT-Berufe verändern, auch ersetzen – und neue Jobs schaffen.
2025: Das Jahr der KI-Coding-Agents
Ende 2025 wurden sehr leistungsfähige LLMs (Large Language Models) veröffentlicht, die in der Lage sind, komplexe Programmierprobleme zu lösen und selbständig Code zu generieren. Nacheinander wurden diese KI-Modelle bzw. LLMs veröffentlicht:
- Gemini 3 von Google
- Opus 4.5 von Anthropic
- GPT-5.2 von OpenAI
Viele sind der Meinung, dass in Zukunft kaum noch eigener Code „von Hand“ geschrieben wird, sondern dass dieser durch (agentische) KI-Coding-Tools wie Claude Code , OpenAI Codex CLI oder OpenCode generiert wird (es gibt noch viele weitere Tools!).
Vorführung aktueller Tools
Wir betrachten ein vollständiges Vibe Coding Tool und ein KI-Coding-Tool
Vibe Coding
Vibe Coding bedeutet hier, dass wir eine App oder Software komplett mit KI-Tools bauen, wobei wir den generierten Programmcode komplett unbeachtet lassen.
Es ist bereits heute möglich, komplexe Apps oder Software komplett mit Eingaben von Text (Prompting)
zu bauen, ohne dass wir Programmierkenntnisse benötigen. Sogar die Veröffentlichung einer Web-App ist möglich.
→ Vibe Coding ist kein Programmieren!
Vorführung des Replit Agents: https://replit.com
Idee: Web-App z. B. für das Studium (Lernkarten, Quiz, o.a.) → zuerst Design mit KI erstellen und dann implementieren lassen.
AI Assisted Engineering
Mit KI-Tools können wir unsere Aufgaben in der Programmierung und Softwareentwicklung unterstützen.
Alternative Namen:
- Augmented Coding
- Vibe Engineering
Vorführung von eines TUI-Tools wie OpenCode oder GitHub Copilot in VS Code .
Wir zeigen die schrittweise Entwicklung durch Planung, Umsetzung und Testen/Review in einem bestehenden Projekt, z. B. der Campus App.
→ Dies ist Programmieren der Zukunft!
Wozu noch programmieren lernen?
Dennoch sind Programmierkenntnisse immer noch sehr wichtig für den professionellen und effektiven Einsatz von KI-Tools.
Klar ist jedoch, dass die Art und Weise, wie wir programmieren, sich stark verändern wird.
Trotz der immer mächtiger werdenden KI-Tools wird Programmieren auch in Zukunft eine wichtige Fähigkeit sein:
- wichtigen/kritischen Code verstehen und anpassen können
- Verantwortung für den Code übernehmen und sicherstellen, dass der Code korrekt und sicher ist
- Fehler (mit KI) finden und beheben können, und diese auch analysieren und verstehen.
- Eigene Ideen einbringen und direkt umsetzen
- Produktanforderungen und -spezifikationen verstehen und umsetzen können
- Integration verschiedener Komponenten in einem System
- Neueste Technologien einsetzen, die KI-Tools nicht abdecken
- Kontrolle über den Code und die eigenen Daten behalten
- Qualitätssicherung, Deployment, Usability, usw.
→ Dennoch wird die Menge von manuell geschriebenem Code in Zukunft stark abnehmen.
→ Wir werden mit KI-Tools mehr Projekte umsetzen können und kleine Teams werden produktiver sein.
→ Die Nachfrage nach Software wird in Zukunft stark zunehmen (siehe Jevons-Paradoxon ).
In der Geschichte der Programmierung gab es schon einige Phasen, in denen bestimmte Kenntnisse durch den Fortschritt der Technologie und der Möglichkeiten der KI-Tools abgelöst wurden:
- Die direkte Interaktion mit dem Computer im Terminal ersetzte das umständliche Einlesen von Lochkarten.
- Auf Assembler folgten High-Level-Sprachen wie C und Pascal.
- Java hat durch die Virtual Machine und die Garbage Collection die Programmierung in C und C++ abgelöst.
- Cloud-Programmierung hat den Betrieb eigener Server stark reduziert.
- → Und das Generieren von Programmcode durch KI-Coding-Agents macht das manuelles Programmieren zu großen Teilen überflüssig.
→ KI-Coding-Agents sind ein weiterer Schritt in dieser Entwicklung bei der schon immer stattfindenden Abstraktion von Programmierung.
Lernziele dieser Vorlesung
Wir haben folgende Lernziele, die selbstverständlich nach Ablauf der Veranstaltung nicht vollständig abgeschlossen sind und uns vielleicht sogar ein Leben lang begleiten:
Programmieren
- Grundlagen der imperativen und prozeduralen Programmierung
- Elementare Konzepte der objektorientierten Programmierung
- Programme lesen, verstehen und anpassen können (inklusive debugging)
- Erlerntes in andere Programmiersprachen übertragen können
Umgang mit KI-Tools und anderen Werkzeugen
- Umgang mit KI-Tools (nicht nur) für die Programmierung (AI Assisted Engineering)
- Entwicklungsumgebung (IDE, z. B. VS Code und TUI-Tools)
- Versionsverwaltung (Git)
Nicht-technische Fähigkeiten (soft skills)
- „Informatisches Denken“ (computational thinking): Probleme analysieren und strukturiert mit Computern lösen
- Zusammenarbeit und Teamwork
- Geduld, Durchhaltevermögen, Beharrlichkeit, Frustrationstoleranz, … 😎
Wir machen 15 Minuten Pause.