Barbara Oakley
Ingenieurin
Wie lerne ich wirksam?
Cal Newport
Informatiker
Wie arbeite ich konzentriert?
Beide fassen Forschungsergebnisse für den Alltag zusammen. Ihre Bücher und Kurse erreichen Millionen Menschen.
Teil 1
Wie das Gehirn lernt und was daraus folgt
Professorin für Industrial and Systems Engineering an der Oakland University in Michigan, USA.
War in der Schule nach eigener Aussage schlecht in Mathematik und hat erst als Erwachsene gelernt, sich schwierige Fächer zu erschließen.
Bekannt durch den Online-Kurs „Learning How to Learn“.
Fokussierter Modus
Konzentriert an einem Problem arbeiten
Diffuser Modus
Abschalten, das Gehirn arbeitet im Hintergrund weiter
15 bis 20 Minuten festgesteckt? Notieren Sie, wo Sie stehen, und machen Sie etwas anderes. Später erneut versuchen.
→ Hausarbeiten und Übungsblätter nicht erst am Vortag anfangen.
Wissen
Fakten lernt man schnell und vergisst sie ohne Wiederholung schnell.
Können
Programmieren, Buchungssätze, Rechenwege: entsteht nur durch Übung über Wochen.
Planen Sie in Fächern mit Anwendungsaufgaben früh regelmäßige Übungszeit ein. Kurz vor der Klausur lässt sich das nicht nachholen.
Ein Thema in kleine Bausteine zerlegen und jeden üben, bis er ohne Nachdenken klappt.
Etwa vier Elemente gleichzeitig. Zwischenergebnisse deshalb aufschreiben statt im Kopf behalten.
Wer hat Pomodoro, Anki oder den Gedächtnispalast schon ausprobiert?
Erinnerung an den Einstieg: Wiedererkennen beim Wiederlesen fühlt sich wie Können an (Illusion von Kompetenz). Testen Sie sich deshalb, statt noch einmal zu lesen.
Wann nutze ich eine for-Schleife und wann eine while-Schleife?
for, wenn die Anzahl der Durchläufe vorher feststeht. while, wenn eine Bedingung entscheidet, z. B. Eingaben lesen, bis jemand „ende“ eingibt.
Erst aus dem Kopf antworten, dann die Rückseite ansehen.
Neuen Aufgabentyp zuerst am Stück üben. Danach mischen, z. B. Altklausuraufgaben aus verschiedenen Kapiteln.
In der Klausur sind die Aufgaben nicht nach Kapiteln sortiert. Sie müssen erkennen, welche Methode passt.
Begriffe als auffällige Bilder an festen Stationen eines vertrauten Wegs ablegen, z. B. durch die eigene Wohnung.
Beispiel: die fünf Phasen des Produktlebenszyklus merken
Zum Abrufen den Weg in Gedanken abgehen. Gut für Listen in fester Reihenfolge, ersetzt aber nicht das Verständnis.
Schon der Gedanke an eine unangenehme Aufgabe löst Unbehagen aus. Man weicht aus.
Das Unbehagen lässt meist wenige Minuten nach dem Anfangen nach.
→ Nehmen Sie sich nur vor, fünf Minuten anzufangen.
Eine veränderte Umgebung, etwa feste Lernzeiten, hilft mehr als Willenskraft.
Die begrenzte Zeit erleichtert das Anfangen. Technik von Francesco Cirillo.
„Ich arbeite 25 Minuten an drei Statistikaufgaben. Danach prüfe ich, was ich allein lösen konnte.“
Viele haben das Gefühl, alle anderen seien schlauer. Das ist normal und meistens falsch.
Vergleichen Sie sich mit Ihrem eigenen Stand von vor einigen Wochen.
Rennwagen
Lernt schnell, rauscht an manchem vorbei
Wanderer
Lernt langsamer, bemerkt oft Details, die anderen entgehen
Unter Druck kann das Arbeitsgedächtnis blockieren („Choking“).
Vorher mit Altklausuren unter Zeitdruck üben. Dann ist die Situation vertraut.
Aufregung umdeuten: „Ich bin aufgeregt, weil ich es gut machen will.“
Schreiben Sie zwei Minuten lang aus dem Kopf auf: Welche drei Punkte nehmen Sie aus diesem Teil mit?
Kostenloser Onlinekurs: Learning How to Learn bei Coursera, von Barbara Oakley und Terrence Sejnowski. Über fünf Millionen Teilnehmende, nur das Zertifikat kostet Geld.
Buch: Barbara Oakley und Olav Schewe, Learn Like a Pro, 2021, 160 Seiten.
Teil 2
Zeit für anspruchsvolle Arbeit schaffen und schützen
Nach der Vorlesung wollen Sie „noch etwas lernen“. Nebenbei beantworten Sie Nachrichten, öffnen das Skript und schauen nach einer Erklärung auf YouTube. Eine Stunde später wissen Sie nicht genau, was Sie jetzt besser können.
Informatiker. Schrieb schon als Doktorand einen Ratgeber fürs Studium: How to Become a Straight-A Student (2006).
Lernen ist Deep Work: konzentrierte, geistig anspruchsvolle Arbeit, die eigene Zeitblöcke ohne Unterbrechungen braucht.
Ergebnis = Zeit × Konzentration
Abgelenktes Lernen nennt Newport Pseudo-Arbeit (pseudo-working). Balken schematisch.
„Dienstag und Donnerstag nach der Vorlesung zwei Stunden in der Bibliothek, Handy im Spind.“
Lieber zwei konzentrierte Blöcke als ein ganzer Lerntag, an dem Sie doch abschweifen.
Ein Strich pro konzentriertem Lernblock zeigt ehrlicher als Ihr Gefühl, wie viel Sie gelernt haben.
Feierabend-Ritual: Offene Aufgaben und den ersten Schritt für morgen notieren. Danach ist Schluss.